Patienten-Erfahrung mit exokriner Pankreasinsuffizienz (EPI)

Bauchspeicheldrüse
Hier sieht man eine Frau im Gespräch mit ihrer Therapeutin
Frau Sabine W. (46 Jahre alt) hat sich zu einer Stoffwechselanalyse mit dem Ziel der Gewichtsreduktion in die Behandlung bei einer Heilpraktikerin begeben. Der Stoffwechsel wurde inkl. aktueller umfassender Blutwerte analysiert. Anschließend wurde ein Ernährungsplan zur Gewichtsreduktion erstellt. Bei der Analyse stellte sich heraus, dass Frau W. um Gewicht zu verlieren, den Anteil der Kohlenhydrate zugunsten der Eiweiße und Fette reduzieren sollte.

Doch mit der Ernährungsumstellung traten immer mehr Probleme auf: Frau W. litt unter Durchfällen, Blähungen, teilweise auch unter Bauchschmerzen. Im ersten Schritt war es jetzt wichtig, der Ursache dieser Beschwerden auf den Grund zu gehen.

Worunter leidet Frau W.? – der Weg zur Diagnose

Da die Durchfälle von Frau W. mit der Ernährungsumstellung begonnen hatten und länger andauerten, konnte eine akute Magen-Darm-Erkrankung ausgeschlossen werden.

Im Gegensatz zu akuten Durchfallerkrankungen, die zumeist durch eine Infektion mit Viren oder Bakterien verursacht werden, sind die Ursachen von chronischem Durchfall vielfältig:

  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie M. Crohn oder Colitis ulcerosa
  • psychische Komponenten
  • Reizdarmsyndrom
  • Exokrine Pankreasinsuffizienz (kurz EPI)

Also begann die Heilpraktikerin gemeinsam mit Frau W. die Ursache herauszufinden. Denn nur mit der richtigen Ursache können der Durchfall und die Begleiterscheinungen richtig behandelt werden.

Die Blutwerte von Frau W. lagen bereits vor. Dabei konnte nichts Auffälliges diagnostiziert werden, was die Beschwerden von Frau W. hätte erklären können, aber es konnten so eine Reihe von akuten Erkrankungen des Verdauungstrakts ausgeschlossen werden wie z. B. eine akute Leber-, Gallenblasen- oder Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit wie z. B. eine Laktoseintoleranz konnte ebenfalls ausgeschlossen werden, dies wurde bereits im letzten Jahr getestet.  

Deshalb sollte eine Stuhluntersuchung weitere Klarheit bringen und über folgende Dinge Aufschluss geben:

  • Gibt es krankmachende Keime im Darm?
  • Wie ist die Verdauungsleistung? Werden alle Nahrungsbestandteile richtig aufgespalten und somit verdaut?
  • Wie ist es um die Darmschleimhaut bestellt? Ist diese evtl. sogar entzündet?

Der Stuhlbefund brachte tatsächlich den entscheidenden Hinweis.

Typische Kennzeichen (Labormarker) für eine exokrine Pankreasinsuffizienz waren positiv:

  • Die Fettmenge im Stuhl lag über der Norm (normal sind bis zu ca. 4,5 g Fett / 100 g Stuhl), der Wert von Frau W. lag bei 5,5.
  • Die Pankreas-Elastase 1, ein Marker zur Bestimmung der Funktionsfähigkeit der Bauchspeicheldrüse, lag bei 180 µg/g Stuhl (Normwert > 200 µg/g Stuhl)

Damit war die Diagnose gestellt: Exokrine Pankreasinsuffizienz.

Was ist eine exokrine Pankreasinsuffizienz?

Bei einer exokrine Pankreasinsuffizienz – kurz EPI – ist die Bauchspeicheldrüse nicht mehr oder nicht mehr ausreichend in der Lage, die Verdauungsenzyme zu produzieren. Von der guten Erfüllung dieser Aufgabe ist neben der Kohlenhydratverdauung auch die Eiweiß- und Fettverdauung in unserem Körper abhängig. Kann das Pankreas diese Aufgabe nur noch eingeschränkt oder sogar gar nicht mehr erfüllen, gelangen unzureichende Nahrungsbestandteile in tiefere Darmregionen und werden dort von Bakterien zersetzt. Dieser Prozess verursacht die Beschwerden.

Die Symptome dieser mangelhaften Verdauungsleistung machen sich in Form von Durchfällen, Blähungen und Oberbauchschmerzen bemerkbar. In vielen Fällen treten sie kurz nach dem Essen auf, besonders nach fettreicheren Mahlzeiten. Neben diesen Beschwerden ist der sogenannte Fettstuhl (= Steatorrhoe) das typische Krankheitszeichen der exokrinen Pankreasinsuffizienz.

Erkennen können Sie den Fettstuhl an folgenden Merkmalen:

  • Der Stuhl ist voluminös und schaumig, da er viele Gase enthält
  • Die Oberfläche glänzt
  • Er riecht stechend scharf und faulig
  • Der Fettstuhl schwimmt oftmals oben, lässt nur schwer herunterspülen und ist klebrig. Die Toilettenbürste kommt häufig zum Einsatz und auch der Toilettenpapierverbrauch ist gesteigert

Patienten und Patientinnen, die unter Diabetes mellitus, Mukoviszidose, Zöliakie, Alkoholismus oder Adipositas leiden sowie Raucher/Raucherinnen haben ein erhöhtes Risiko, an einer exokrinen Pankreasinsuffizienz zu erkranken.

Frau W. leidet an einer leichten bis mäßigen EPI. Die Beschwerden traten erst dadurch auf, dass Frau W. ihre Ernährung umgestellt hatte und den Anteil der Proteine und Fette erhöhte.

Wie sah die Behandlung bei Frau W. aus?

Bei der Behandlung der exokrinen Pankreasinsuffizienz wird dem Körper zugeführt, was er selbst nicht mehr oder nicht ausreichend bilden kann. Die für unsere Verdauung so wichtigen Enzyme Lipase, Amylase und Protease für die Fett-, Kohlenhydrat- und Proteinverdauung können dem Körper in Form von Tabletten oder Kapseln zugeführt werden.

Zur Verfügung stehen hierzu Präparate mit Enzymen aus der Bauchspeicheldrüse des Schweins (Pankreatin) oder aus Reispilzkulturen (Rizoenzyme). Die Enzyme werden regelmäßig zu allen Mahlzeiten inkl. fettreichen Zwischenmahlzeiten eingenommen.

Frau W. hat sich für das Präparat aus Rizoenzymen entschieden. Zunächst hat sie mit einer Dosierung von 2 Kapseln zu jeder Hauptmahlzeit begonnen. Allerdings reichte diese Dosierung bei der Mittags- und Abendmahlzeit nicht aus und so nimmt sie zur Zeit 3 Kapseln zur Mittags- und zur Abendmahlzeit. Zum Frühstück reichen 2 Kapseln, zu einer Zwischenmahlzeit kommt sie mit 1 Kapsel aus. Seitdem ist sie beschwerdefrei.

Ihre Ernährung hat Frau W. auch etwas angepasst. Es gibt bei der EPI kein festgelegtes Ernährungsschema, welches von den Patienten und Patientinnen beachtet werden muss. Ein paar Kleinigkeiten sollten jedoch beachtet werden:

  • Auf Alkohol und Zigaretten sollte verzichtet werden
  • Über den Tag verteilte kleine Mahlzeiten statt wenige große Mahlzeiten sollten bevorzugt werden. Intervallfasten kommt somit für Frau W. nicht mehr in Frage
  • Eine Trinkmenge von mind. 2 l täglich sollte erreicht werden
  • Frau W. hat mit dem Walken begonnen und trifft sich jeden 2. Tag mind. eine ¾ Stunde mit ihrer Bekannten